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VDI 4100 und DEGA - Privatrechtlichen Anforderungen

VDI 4100 und DEGA - Privatrechtlichen Anforderungen

 

Wohnungsbau in Standard-Qualität

Ist der Schallschutz zwischen Bauherr und Planer nicht werkvertraglich vereinbart, sind grundsätzlich die anerkannten Regeln der Technik (a.R.d.T.) zu erfüllen. Diese liegen aktuell bei Treppen meist über den bauaufsichtlichen Mindestanforderungen.

Für den Trittschallschutz bei Treppen sind im DEGA Memorandum DEGA BR 0101 vom März 2011 folgende a.R.d.T formuliert:

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Diese Anforderungen sind jetzt auch in die DIN 4109, Ausgabe Juli 2016 aufgenommen worden.

Laut eines Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) ist beim Schallschutz als allgemeine Regel der Technik ein "üblicher Komfort" geschuldet. Nach Auffassung des BGHs entspricht dies einer Schallschutz-Qualität, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Bewohner "im Allgemeinen Ruhe finden". Dadurch ergeben sich als Anhaltspunkte für den privatrechtlich geschuldeten Schallschutz die Werte der Schallschutzstufe II der VDI 4100. Derzeit liegt allerdings noch kein abschließendes Urteil vor, aus dem hervorgeht, welche konkreten Werte nun juristisch die allgemeinen Regeln der Technik darstellen.

Die Anforderungen nach der VDI Richtlinie 4100, Schallschutzstufe II, L´n,w ≤ 46 dB für Treppen in Mehrfamilienhäusern entspricht den Anforderungen des erhöhten Schallschutzes nach dem Beiblatt 2 zur ehemaligen DIN 4109.

Damit steht das Urteil des BGHs im Widerspruch zu den Anforderungen für massive Treppen im Mehrfamilienhaus, die im DEGA-Memorandum festgelegt werden. Hierbei ist zu beachten, dass die im DEGA-Memorandum aufgeführten allgemein anerkannten Regeln der Technik die Sichtweise der DEGA widerspiegeln, und damit nicht unbedingt die juristisch maßgebliche Sichtweise.

Daher ist es selbst bei Mehrfamilienhäusern in Standard-Qualität ratsam, sich an der Schallschutzstufe II nach VDI 4100 zu orientieren. Bei einer Unterschreitung empfiehlt es sich, den Bauherrn unmissverständlich darüber aufzuklären, welche bauakustischen Folgen die Unterschreitung bedeutet.

Bisher wurde der erhöhte Schallschutz häufig nach DIN 4109 Beiblatt 2 festgelegt. Diese wurde mit dem Neuerscheinen der DIN 4109 im Juli 2016 nicht angepasst, was beispielsweise dazu führt, dass die erhöhten Anforderungen an Treppen in Doppel- und Reihenhäusern den heutigen Mindestanforderungen nach DIN 4109 (L’n,w ≤ 46 dB) entsprechen. Möglichkeiten den Schallschutz konkret festzulegen, bieten  nach wie vor die DEGA Empfehlung 103 und der Schallschutzausweis. Beide beschreiben qualitativ sehr ausführlich die verschiedenen Schallschutz-Klassen. Die DEGA Empfehlung in den Klassen A* bis E, die VDI 4100 mit den Schallschutzstufen I - III. Damit liefert die DEGA-Richtlinie 103 eine sehr gute Orientierungshilfe, um den zu vereinbarenden Schallschutz zwischen Planer und Bauherr festzulegen.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Anforderungen an den Trittschallschutz der DEGA Empfehlung 103, der VDI Richtlinie 4100 und der DIN 4109 im Vergleich aufgeführt.

 

Anforderungen an den Trittschallschutz von Treppen in Mehrfamilienhäusern

Anforderungen an den Trittschallschutz von Treppen in Mehrfamilienhäusern

Anforderungen an den Trittschallschutz von Treppen in Reihenhäusern oder Doppelhaushälften

Anforderungen an den Trittschallschutz von Treppen in Reihenhäusern oder Doppelhaushälften

Bei der Vereinbarung des gewünschten Schallschutzes ist zu beachten, dass die anerkannten Regeln der Technik auf alle Fälle einzuhalten sind. Sie können im Ausnahmefall unterschritten werden, wenn dies im Vorfeld mit dem Bauherren abgestimmt worden ist und der Bauherr unmissverständlich darüber aufgeklärt wurde, welche bauakustischen Folgen die Unterschreitung bedeuten.

 

Gehobener Wohnungsbau

Werden bei einem Bauvorhaben gehobener Komfort und besondere Lage ausgeschrieben, genügt es nicht unbedingt, die erhöhten Anforderungen einzuhalten. Hier ist nach aktueller Rechtsprechung davon auszugehen, dass noch höhere Anforderungen geschuldet sind. Aktuell gibt es kein Urteil, das eindeutig Aufschluss darüber gibt, welcher Schallschutz in diesen Fällen konkret geschuldet ist. Juristische Experten gehen in diesem Fall davon aus, dass dann die Schallschutzstufe III der VDI 4100 geschuldet ist. Das bedeutet bei Treppen im Mehrfamilienhaus liegt die Anforderung an den Standard-Trittschallpegel bei LnT,w ≤ 37 dB. Dies entspricht in etwa einem Norm-Trittschallpegel L´n,w ≤ 39 dB.