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Tradition trifft Moderne

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Chalets mit Balkonen am Brienzer See

Beim Neubau zweier Chalets am Brienzer See (Schweiz) verband Architekt Beat Michel die Grundstruktur und Dimension klassischer Chalets mit einem modernen Balkonbau. Beide Chalets sind mit dem Heimatschutz abgestimmt und verfügen über das traditionelle Satteldach sowie eine Holzverkleidung. Eine Besonderheit im Berner Oberland bilden die umlaufenden Holzbalkone, die mit dem „Schöck Isokorb“ an die Betondecke angebracht wurden.

Eine aktuelle Interpretation des klassischen Chalets realisierten die Architekten Beat Michel und Erich Felix in Bönigen am Brienzer See in der Schweiz. Sie verzichteten dabei auf klassische Verzierungen an den Konsolen, Stockbändern und Balkongeländern und setzten stattdessen auf klare Strukturen. Die Einteilung durch Pfetten und Stockwerkhöhen lehnt sich dabei jedoch an die Vorgaben traditioneller Chalets an. „Dazu gehören die kräftigen Vordächer und eben die Balkone. Heute bestehen diese oft genug aus Beton, herauslaufend als Bodenplatte und im Extremfall von unten verkleidet mit einer Vertäfelung und künstlichen Balken. Derartiges war für uns nicht akzeptabel“, erklärt Michel. Bauherr und Architekten entschieden sich für echte Holzbalkone, die an die teilmassiven Gebäude angehängt wurden.

Massive Bauweise mit Holzverkleidung und Holzbalkonen

Für die Chalets galten die kantonalen Bauvorschriften: Die ersten zwei Stockwerke werden massiv ausgeführt, wobei das obere mit Holz verkleidet sein muss. „In unserer Region sind auch moderne Chalets möglich. Dagegen wird beispielsweise im Gebiet Grindelwald mehr Traditionelles vorgeschrieben. Im Berner Oberland sind umlaufende Balkone bei Chalets nicht die Regel“, erläutert Architekt Erich Felix.

Das Erdgeschoss der Chalets wurde mit Blocksteinen in einer Wanddicke von 42 Zentimetern aufgemauert. Aus energetischen Gründen mussten zusätzlich vier Zentimeter Mineralwolle aufgebracht werden. „Das war baubiologisch nicht ganz in unserem Sinne“, bemerkt Felix. Die U-Werte lagen damit bei 1,1 bis 1,2 W/(m²K). Bei den oberen Geschossen wurden Holzbalkendecken ausgeführt. Die Decken sind auf Stahlstützen gestellt und ergeben mit den gemauerten Innenwänden die Tragstruktur. Die Außenwände bestehen dagegen aus Holzbauelementen. Für die Außenverkleidung und die Balkone verwenden die Architekten unbehandeltes Lärchenholz und greifen damit den klassischen Charakter des Chalets auf.

Schöck Isokorb mit Eigenkonstruktion als optimale Anschlusslösung

Im ersten Obergeschoss sind die Balkone umlaufend, im zweiten nur an den Giebelseiten angebracht. Die Auskragung liegt bei 1,60 Metern – auf der Westseite über einen Teilbereich von acht Metern sogar bei 2,10 Metern. Das Anbringen der Balkone erforderte daher eine besondere Lösung. Um die große Auskragung sowohl statisch sicher als auch thermisch getrennt mit der 20 Zentimeter starken Betondecke verbinden zu können, entschieden sich die Architekten für den „Schöck Isokorb Typ KSH“. Dieses Element ermöglicht den wärmebrücken-minimierten Anschluss – also auch von Balkonen – an Massivbausysteme.

Zur Gewährleistung der erhöhten Kraftübertragung aus den Holzbalken wurden spezielle Metallschwerter an den Schöck Isokorb Typ KSH angeschraubt. Diese Eigenkonstruktion weist nicht nur ein 63 Zentimeter langes und zwölf Zentimeter breites Auflager auf: Sie verfügt zusätzlich über eine obere Platte von 18 mal 12 Zentimetern, die ein Aufkippen des Balkons verhindert. Die umlaufenden Balkone wurden mit jeweils 22 Schöck Isokörben befestigt. Die Balkone im zweiten Obergeschoss mit jeweils fünf dieser Kragplattenanschlüsse.

Die Holzbalken der Balkonkonstruktion werden an die im Rohbau vormontierten Isokörbe befestigt. Diese Balken wurden zuvor in der Werkstatt vorgefertigt und oben und unten mit einer Ausplattung versehen. Er ist eingeschlitzt und wird oben von zwei Schrauben fixiert, nachdem das Schwert in das Holz eingeschoben wurde. „Der Balkon schließt mit dem Abschlussbalken ab. Wir verwenden Schwalbenschwanzverbindungen statt klassischer Zapfen, um ein schnelles Abtrocknen zu gewährleisten“, so Michel zur Anbringung der Balkone. Auf dem Abschlussbalken werden die Geländerpfosten angebracht.

Einfache Verarbeitung

Der Holzbauer fertigte die Anschlussdetails exakt vor. Beim Einbau ist das Verbindungsstück zwischen Holz und Beton durch Langlöcher genau zu justieren. Die einfache Verarbeitung überzeugte auch Michel: „Die Vorgehensweise mit dem Schöck Isokorb ist sehr handlich. Meiner Meinung nach bedeutet der Isokorb keine konstruktive oder ästhetische Einschränkung, sondern eine Erleichterung.“ Wärmebrücken werden damit optimal reduziert.


Bautafel:

Architekt:
Erich Felix, Brienz
Holzbauer: Beat Michel, Bönigen
Bauunternehmer: Peter Grossmann, Interlaken
Bauzeit: August 2005 – Mai 2006
Balkon-Anschluss: Schöck Isokorb von der Schöck Bauteile AG, Aarau


Hintergrund:

Der aus der Westschweiz stammende Begriff Chalet bezeichnet ursprünglich einen ländlichen Haustyp. Während der Aufklärung entwickelte sich das Chalet zum Symbol für eine Gesellschaft, die auf den Werten Einfachheit, Naturverbundenheit, Freiheit und Demokratie beruhte. Es besteht klassisch aus Holzbalken und wird mit reichlichen Verzierungen geschmückt. Chalets dieser Art waren vor allem in den Gärten aristokratischer Residenzen in Europa und später auch in Kur- und Villenorten vorzufinden. Besonders im 18. Jahrhundert erhielt dieser Architekturstil eine hohe Wertschätzung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann das stereotype Bild des Schweizer Chalets als nationales Symbol eine neue Bedeutung und bleibende Popularität.

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