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Kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Lüftung

Eine sogenannte „kontrollierte Lüftung" ist beim Passivhaus unabdingbar. Durch den geregelten Luftaustausch werden die Wärmeverluste minimiert und ein gesundes Raumklima gewährleistet. Die Lüftungsanlage ist nicht mit einer Klimaanlage zu verwechseln. Damit die Anlage funktioniert, muss das Haus möglichst luftdicht sein. Unvermeidbare Durchbrüche (z.B. Türen und Fenster) müssen eine gute Dichteisolierung aufweisen.
Um eine hohe Luftdichtheit zu erreichen, sollten folgende Dichtprinzipien angewendet werden:

  • durchgehende Folien im Dach, die am Rand in den Innenputz eingebunden werden
  • durchgehender lückenloser Innenputz aus Gips mit dauerelastischem Anschluß der Fensterrahmen, doppelte Lippendichtungen der Fenster.

Den Einfluss der Dichtheit des Gebäudes auf den Energieverbrauch mag folgendes Beispiel verdeutlichen:

Das Institut Wohnen und Umwelt hat ermittelt, dass ein gekipptes Fenster genügt, um den Heizenergiebedarf des Passivhauses Darmstadt- Kranichstein zu verfünffachen!

Lüftungstechnik

Die Lüftungsanlage eines Passivhauses benötigt ein Aggregat zur Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Durch einen Gegenstrom-Luft/Luft-Wärmetauscher gelingt es, über 80% der Abwärme der Abluft an die Zuluft zu übertragen. Die Lüftungsanlage dient einerseits der Energieeinsparung, andererseits verbessert sie auch die Luftqualität. Sie kann im Passivhaus bis zu 37% der Energieverluste decken. Ein wichtiger Bestandteil der Lüftungstechnik ist der sogenannte Erdreichwärmetauscher der aus Rohren besteht, die in einem Meter Tiefe unter der Bodenplatte verlaufen. Hierin wird die Frischluft im Winter vorerwärmt. Dadurch kann ein Einfrieren des Wärmetauschers ausgeschlossen werden. Im Sommer dient der Erdreichwärmetauscher der Kühlung der einströmenden Frischluft. Durch die Verwendung eines Gleichstromlüfters (ca. 24 Watt Leistungsaufnahme) ist, im Vergleich zu einem durchschnittlichen Gebäude, der für die Lüftungsanlage notwendige zusätzliche Energiebedarf sehr gering. Die Lüftungsanlage muss so ausgelegt sein, dass während der Wintermonate die Fenster aus lufthygienischen Gründen geschlossen bleiben können. Die dazu notwendigen Luftvolumenströme im Gebäude werden so konzipiert, dass es weder zu Zugerscheinungen noch zu störenden Geräuschpegeln kommt.

Drucktest

Zur Überprüfung der Luftdichtheit muss ein spezieller Drucktest, das sogenannte „Blower-Door"- Verfahren von einer Fachfirma durchgeführt werden. Dabei wird in eine geöffnete Außentür ein Gebläse eingesetzt, mit dessen Hilfe im Gebäude ein Unter- und Überdruck von 50 Pascal – das entspricht ungefähr 5 Windstärken – erzeugt wird. Anschließend werden leckverdächtige Stellen wie Fugen oder Durchdringungen mit einem Luftgeschwindigkeits-messgerät und Rauch (Tracergas-Messungen) abgesucht. Der Wert, um die Dichtheit verschiedener Gebäude zu vergleichen, wird auch als n50 - Wert bezeichnet. Die Luftwechselrate sollte beim Passivhaus unter 0,6 Luftwechsel pro Stunde liegen. Dies ist ein Wert, der aus lufthygienischen Gründen mehr als ausreichend ist. Vergleichswerte für durchschnittliche Gebäude liegen an kühlen, windigen Tagen bei 5/h bis 14/h; d.h. die gesamte Innenraumluft wird in einer Stunde zwischen 5 und 14 mal ausgetauscht.

Heizung

Das Passivhaus benötigt keine konventionelle Heizung. Der benötigte Restwärmeanteil, welcher nicht über innere Gewinne, passiv-solare Gewinne oder die Wärmerückgewinnung abzudecken ist, kann mit Hilfe der Lüftungsanlage zugeführt werden. In den Zuluftkanal wird ein sogenanntes Luft-Wasser-Nachheizregister eingebaut, das die Luft vorheizt. So ist es möglich, alle Räume mit Wärme zu versorgen, ohne dass ein zusätzliches Verteilungssystem benötigt wird. Die Räume haben dann allerdings die nahezu gleiche Raumtemperatur. Luftheizungen gelten in konventionellen Gebäuden mit durchschnittlichem Heizwärmebedarf zu recht als problematisch, da die Luft mit hohen Temperaturen und hohen Geschwindigkeiten eingeblasen wird. Dies führt zu trockener Luft bzw. schlechter Luftqualität. Beim Passivhaus entfallen diese Nachteile aufgrund des geringen Heizbedarfs und den damit verbundenen geringen Lufttemperaturen und Luftgeschwindigkeiten. Außerdem gibt es keinen Umluftanteil: es wird keine „abgestandene Luft", sondern ausschließlich Frischluft in die Räume transportiert. Keimbildung bei der Entfeuchtung kann ausgeschlossen werden.