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Interview Thomas Sterk

Warum guter Schallschutz an Bedeutung zugenommen hat und wie es mit den Anforderungen aus der Norm steht, erklärt Dipl.-Ing. Thomas Sterk von Sterk Ingenieure in Baden-Baden.

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Wie wichtig ist das Thema Schallschutz bzw. Trittschallschutz in der heutigen Bauweise?

Thomas Sterk: Das Paradoxe beim Schallschutz ist: je besser er wird, umso wichtiger wird er. Wenn die Grundgeräusche geringer werden, dann fallen die verbleibenden Restgeräusche, so minimal sie auch sein mögen, mehr auf. Die Anforderungen an den Schallschutz sind insgesamt gestiegen und heute auf einem sehr hohen Niveau. Außerdem hat sich das Standardwohnverhalten geändert und Schallschutz ist für die Wohnungsnutzer ein sensibles Thema. Heute hat jeder den Anspruch nachts zu duschen, lauter Musik zu hören oder ein Instrument zu spielen, und das alles ohne, dass sich der Nachbar gestört fühlt.

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Reichen die Mindest-Anforderungen aus der Schallschutz-Norm Ihrer Meinung nach für einen guten Schallschutz aus?

Thomas Sterk: Hierbei möchte ich gerne zwischen den gesetzlichen Anforderungen nach der Norm und den privat- und zivilrechtlichen Anforderungen unterscheiden. Meiner Meinung nach, sind die derzeitigen gesetzlichen Angaben, also die bauaufsichtlich eingeführten Mindestanforderungen der DIN 4109, für den Schutz der Bewohner ausreichend. Für einen qualitativ guten Schallschutz sollten jedoch privatrechtliche Vereinbarungen individuell vorab getroffen werden. Dazu sind ja das Beiblatt der DIN 4109 und die VDI Richtlinie 4100 vorgesehen. Für uns Ingenieure ist es oft schon schwer genug die Mindestanforderungen zu erreichen. Also nicht im rechnerischen Nachweis, sondern bei der Messung hinterher am Objekt.

Welche Rolle spielt der DEGA-Schallschutzausweis in Ihrem Alltag?

Thomas Sterk: Ich persönlich habe noch nie einen DEGA-Ausweis erstellt. Den Ansatz, der dort verfolgt wird, finde ich aber sehr gut. Durch die Ampelskala, in der die Schallschutzklassen klar dekliniert sind, weiß der Bauherr genau in welche Klasse sein Schallschutz fällt. Die meisten Bauherren kennen sich mit dem Schallschutznachweis nicht aus und entscheiden sich deshalb auch nur für den Mindestschallschutz.

Wie oft wird erhöhter Schallschutz in der Praxis gefordert?

Thomas Sterk: Eigentlich immer. Es sind wirklich nur die wenigsten, die im Geschosswohnungsbau nicht den erhöhten Schallschutz haben wollen.

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Hat das Thema aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen?

Thomas Sterk: Ich würde sagen, es kommt auf das Segment an. Bei der Planung einer Reihenhauszeile hat der Schallschutz nahezu keine Bedeutung. Da ist eben die kostengünstige Bauweise gefragt: Da läuft die Bodenplatte durch, die Trennwandschalen werden bis auf das leichteste Gewicht reduziert und im Keller sind Aufenthaltsräume, obwohl sie laut Norm dort gar nicht zulässig sind, wenn die Bodenplatte durchläuft. Da geht es dann nur darum, die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen. Mit Ach und Krach werden sie dann erreicht. – Wenn überhaupt. Anders sieht es dann beim Mehrfamiliengeschossbau aus. Da ist Schallschutz sehr wichtig und das hat in den letzten Jahren auch an Bedeutung gewonnen. In der Vergangenheit gab es viele Rechtstreitigkeiten zu diesem Thema. Deshalb hat auch die Qualitätskontrolle im Bereich des Schallschutzes merkbar zugenommen. Es wird auf jeden Fall mehr geprüft. Letztendlich ist aber auch alles eine Frage des Preises: Bei einer Eigentumswohnung in bester Lage von Baden-Baden, da ist die Schallschutzklasse 3 gesetzt. Je höher das Gesamtbudget für das Projekt ist, desto eher achtet man auf den Schallschutz und desto eher ist man auch bereit hier zu investieren.

Wie stehen Ihre Auftraggeber im Allgemeinen zum Thema Schallschutz oder konkret zum Trittschallschutz?

Thomas Sterk: Im Prinzip möchten meine Auftraggeber am Ende ein gutes Resultat haben und das möglichst günstig. Mit den Details kennen sich die meisten kaum aus. Weshalb wir einen hohen Zeitaufwand in die Aufklärung der verschiedenen Schallschutzstufen investieren müssen. Sie möchten ihre Vorstellungen an einen Ansprechpartner weitergeben, der sich dann um alles kümmert. Sie wollen Rechtssicherheit und eine vereinbarte Schallschutzstufe für das gesamte Gebäude. – Und das ist dann sehr umfangreich. Das Treppenhaus ist dabei dann zwar nur ein Teil vom Ganzen, aber ein sehr wichtiges Teil. Denn das Treppenhaus ist der Kern eines Gebäudes, durch das komplett alles durchläuft, vor allem die EG-Wohnungen sind davon stark betroffen.

Müssen Sie Ihre Auftraggeber von der Investition in Schallschutz bzw. Trittschallschutz überzeugen?

Thomas Sterk: Es kommt darauf an, wie erfahren der Auftraggeber ist. Viele wissen, dass es bei unzureichendem Schallschutz Probleme geben könnte und möchten auf Nummer sicher gehen. Außerdem kann bei guter Schallschutzqualität auch ein Mehrerlös beim Verkauf der Immobilie erzielt werden. Dass der Mindestschallschutz gefordert ist und erbracht werden muss, ist den meisten bekannt. Der Prüfingenieur fragt ja auch nach dem Schallschutzausweis. Die Verantwortung hierfür liegt dann aber bei uns Statikern oder beim Architekten. Wir unterschreiben ja auch beim Bauantrag, dass alle bautechnischen Nachweise erfüllt sind. Ich würde schon sagen, dass es uns immer gelingt unsere Auftraggeber von der Investition in den Schallschutz zu überzeugen. Sie wissen ja auch, dass guter Schallschutz wichtig und wertvoll ist.

Wie sieht es Ihrer Meinung nach auf Seiten der Verarbeiter aus? Sind die Bauunternehmen Ihrer Meinung nach dem Thema Trittschallübertragung gegenüber genügend sensibilisiert?

Thomas Sterk: Die Verarbeitung ist nur so gut, wie die Planung die Gegebenheiten berücksichtigt und wie die Bauleitung diese überwacht. Wenn sie eine gute Grundlage haben, dann kriegen sie das auch gut hin. Und die Bauleitung ist sensibilisiert mittlerweile, sie weiß welche Folgen mögliche Fehler in diesem Bereich mit sich bringen können. Schallbrücken zwischen schwimmenden Belägen gibt es nur noch selten. Mittlerweile wissen eigentlich alle, dass der Schallschutz dann nicht mehr richtig funktioniert.

Das heißt, dass hier ebenfalls die Qualität bzw. das Bewusstsein für dieses Thema zugenommen hat?

Thomas Sterk: Ja, das auf jeden Fall. Dennoch muss an der Aufklärung und Sensibilisierung weiter gearbeitet werden. Es ist noch Potenzial bei allen Beteiligten, sei es bei der Planung, der Bauleitung oder auch bei der Produktentwicklung, vorhanden. Es gibt in der Praxis so viele Kleinigkeiten, auf die geachtet werden muss, da ist es nur verständlich, wenn die Ausführenden teilweise überfordert sind. Deshalb ist es toll, wenn man einfach einzubauende Produkte hat.

Sehen Sie die Hersteller in der Pflicht beim Einbau zu unterstützen?

Thomas Sterk: Da sehe ich eher die Bauleiter. Aber natürlich ist es für die Bauleiter hilfreich, wenn sie von den Herstellern unterstützt werden. Ob es nonverbale Einbaueinleitungen, Videos oder Mitarbeiter, wie Ihre Einbaumeister, sind. Das hilft ihnen weiter. Grundsätzlich muss aber das Produkt passen. Wie mit dem Schallschutzsystem von Schöck mit der blauen Linie. Das ist auch für die Prüfingenieure hilfreich, damit sehen sie auf Anhieb, dass da ein geprüftes System eingebaut wurde.

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Sie haben unsere Schöck Einbaumeistern erlebt?

Thomas Sterk: Ja, sie erklären bei Bedarf den Produkteinbau und schulen die Mitarbeiter vor Ort. Das finde ich eine wirklich gute Institution. Denn es wird nach wie vor noch sehr viel auf der Baustelle falsch gemacht

Bei der Planung eines Gebäudes müssen Sie sehr viele Details beachten. Dabei stehen Ihnen für den Trittschallschutz schätzungsweise 2% Ihrer Zeit zur Verfügung. Wie gehen Sie bei der Produktauswahl vor?

Thomas Sterk: Ja, mit 2% liegen Sie schon richtig. Der große Zeitaufwand entsteht meist an den Schnittstellen zu anderen planenden Gewerken. Bei der Argumentation, warum ein bestimmtes Produkt eingeplant wurde, wird sehr viel Zeit investiert. Das Produkt wird so gewählt, dass der rechnerische Nachweis möglichst einfach ist und ich eine Sicherheit für das Funktionieren der Produkte habe. Das mag sich jetzt zwar egoistisch anhören, aber in der Praxis muss es schnell gehen und das Gesamtpaket um das Produkt muss sicher funktionieren. Beispielsweise ist es mir wichtig, dass ich ein CAD-Symbol dafür habe, dass ich es schnell auf den Konstruktionsplan bekomme und dass ich die Datenblätter einfach im Schallschutznachweis integrieren kann. Im Laufe der Zeit sammelt man seine Erfahrungen mit den Produkten und entsprechend weiß man mit welchen Produkten es funktioniert und mit welchen nicht.

Im Rahmen eines kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojektes der Hochschule für Technik Stuttgart wurde ein Verfahren zur vergleichbaren Prüfung der Trittschalldämmwirkung von Treppen-Trittschalldämmelementen erarbeitet. Kennen Sie es? Was halten Sie davon?

Thomas Sterk: Von dem Projekt habe ich gehört. Es ist dringend erforderlich, dass die Hersteller uns Ingenieuren verlässliche Werte als Eingangsparameter liefern. – Es ist nur zu begrüßen wenn hier investiert wird, damit wir die richtigen Parameter bekommen. Das ist wirklich eine tolle und hilfreiche Sache, wenn sie dann abgeschlossen ist.

Sie haben bei einigen Ihrer Projekte bereits mit den neuen Trittschalldämmelementen von Schöck gearbeitet. Wieso haben Sie sich dabei für die Schöck Tronsole entschieden?

Thomas Sterk: Weil sie technisch auf dem neusten Stand sind, weil die Planungsunterlagen und die statischen Tabellen übersichtlich sind, weil das CAD-Detail gut und schnell zu gebrauchen ist und beim Konstruieren keine Probleme macht, weil sie unter den Ausführenden akzeptiert wird und sie mit diesem Produkt umgehen können und weil sie sich bewährt hat. Die Fertigteilwerke haben sie auf Lager, somit sind die Handelswege vorhanden und es gibt keine Lieferschwierigkeiten. Aus Erfahrung weiß ich, dass dieses Produkt funktioniert. Ich arbeite gerne mit qualitativ hochwertigen Produkten, weil ich mich auf sie verlassen kann. Im ersten Moment erscheinen sie vielleicht etwas teurer, aber ich weiß, dass ich keinerlei Rückfragen bekomme und dass das Produkt funktioniert. Da relativiert der Aufwand die Kosten ganz schnell, das unterschätzen viele.

Was wünschen Sie sich von Herstellern von Trittschalldämmelementen?

Thomas Sterk: Mit den Trittschalldämmelementen bin ich momentan ziemlich zufrieden. Ich würde mir wünschen, dass der DEGA Ausweis verpflichtend wäre. Das wäre ein Qualitätsmerkmal, welches die Schallschutzqualität verdeutlicht. Für den Wärmeschutznachweis gibt es ja auch ein Zertifikat, das mir die Qualität bescheinigt. Dieses Qualitätsmerkmal macht das ganze transparenter und unterstreicht die Wichtigkeit dieses Themas.

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Herr Sterk, vielen Dank für Ihre Zeit und das nette Gespräch.


Das Interview führte Rosa Demirlikaya