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Interview Florian Miehle

Welche Rolle Schallschutz spielt und welche Kriterien Trittschalldämmprodukte erfüllen müssen, berichtet Florian Miehle, zuständig für die Arbeitsvorbereitung der Produktion im Betonfertigteilwerk Hieber

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Die Sensibilität für das Thema Schallschutz nimmt gerade im Zusammenhang mit Mehrfamilienhäusern zu. Fällt der erhöhte Bedarf bei Ihnen im Fertigteilwerk auf?

Florian Miehle: Ja, in immer mehr Ausschreibungen wird Schallschutz heute klar gefordert. Und wenn nicht gleich in der Ausschreibung, dann spätestens auf der Baustelle – diese Erfahrung haben wir jedenfalls gemacht. Wir weisen die Bauunternehmer oft auf den Schall- oder speziell Trittschallschutz hin. Denn diesen kann man im Nachgang messen und da gab es schon Urteile, wenn die Messungen nicht gestimmt haben, das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Bauunternehmer, die aus diesem Grund schon einmal alles ausbauen mussten, wissen, wovon ich jetzt spreche. Bei einem Einfamilienhaus lässt sich ja auch noch eine „improvisierte" Lösung finden, aber in einem Mehrfamilienhaus muss man wirklich vorsichtig sein. Deshalb gibt es von uns kaum ein Angebot, bei dem das Thema Schallschutz und die entsprechenden Produkte kein Thema sind. Wir beraten unsere Kunden in Bezug auf den Einsatz von Schallschutzprodukten. Wir bieten sie auch von Haus aus immer optional mit an, wenn sie nicht ausdrücklich gefordert sind. Damit wird der Bauherr darauf hingewiesen und das Thema wird zumindest diskutiert.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Sie aus den Schallschutzanforderungen?

Florian Miehle: Die Herausforderung für uns besteht darin, den Einbau von Schallschutzprodukten möglichst reibungslos in unsere internen Prozesse zu integrieren. Hinzu kommt, dass es verschiedene Produktlösungen für den Schallschutz seitens der Hersteller gibt und natürlich haben wir auch eigene Lösungen. Da darf man das Verhältnis von Kosten und Aufwand nicht außer Acht lassen und muss selbstverständlich die Qualität im Auge behalten.

Wir haben unser Trittschalldämmelement Tronsole komplett überarbeitet. Haben Sie Vorteile für sich entdeckt oder haben Sie Kritik?

Florian Miehle: Ja, wir haben bereits mit den neuen Produkten gearbeitet. Gerade bei der Fugenplatte ist uns ein Vorteil direkt aufgefallen: Wir müssen hier nicht mehr aufwändig kleben, die selbstklebende Fugenplatte kann direkt an den Wangen befestigt werden. Der Kleber hält wirklich gut. Die Treppenelemente inklusive angeklebter Fugenplatte können bei Wind und Wetter zur Baustelle transportiert und dort einwandfrei direkt eingebaut werden.

Auch die Tronsole für den Fertigteil-Treppenlauf ist super. Sie ist gut in die Konsolen rein zu bekommen und mit dem Clip-Scharnier klappt das wunderbar. Man tut sich wesentlich leichter mit der Befestigung und sie hat einen sauberen Winkel. Außerdem ist an den Seiten der Elemente jetzt Platz zum Kürzen. Falls also ein kürzeres Element gebraucht wird, kann man mit einem Cutter einfach das Schaumteil abschneiden, man braucht keine Kreissäge oder Ähnliches, um das Lager durchzuschneiden.

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Den Anschluss für das Podest an die Treppenhauswand haben wir kürzlich bei einem Projekt in Günzburg eingesetzt. Die Bewehrungskörbe für die Aussparungskästen haben wir vorher immer selbst gebogen und je nach Höhe eine gewisse Anzahl auf Lager gehabt. Aber jetzt kommen sie fertig von Schöck vorproduziert direkt zu uns. Es gibt nur noch eine Höhe und Ausführung. Unsere Lagerhaltung ist dadurch deutlich einfacher. Ich habe nur ein Produkt und muss nicht auf verschiedene Höhen achten. Der Korb kann einfach in die Bewehrung des Podests eingeführt und dann in die Schalung gehoben werden, also das spart eine Menge Zeit.

Der Einbau von Schall- bzw. Trittschalldämmelementen gehört zu Ihrem Alltag. Könnten Sie uns kurz beschreiben wie sich die Produkte in Ihren Prozess vor Ort einfügen müssen?

Florian Miehle: Also bei uns läuft es so ab: Es kommt ein Auftrag rein bei dem, Tronsolen beispielsweise in Höhe 16, 18 und 20 bestellt werden. Das sind unsere Standard-Tronsolen. Die einen werden mehr, die anderen weniger bestellt und je nach Höhe, haben wir eben eine gewisse Stückzahl auf Lager. Mit dieser einen Komponente, wie Sie sie jetzt anbieten, erleichtert es mir den Aufwand enorm. Wir haben jetzt nur noch ein Produkt auf Lager, das alles abdeckt. Ich muss jetzt bezüglich der Höhe oder den statischen Erfordernissen nicht nachfragen, ich weiß, ich kann ein Produkt für alle Anforderungen nehmen. Die Rücksprache mit dem Tragwerksplaner minimiert sich und das spart Zeit. Wenn er mir sagt, dass es von den Trage- und Auflagekräften passt, dann brauche ich nicht mehr bei Statiker, Planer und Architekt nachzufragen. Es erleichtert den Alltag ungemein.

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Welche konkreten Anforderungen haben Sie an Trittschalldämmprodukte?

Florian Miehle: Da sind unsere Anforderungen ganz klar: Sie müssen einfach und unkompliziert im Einbau sein und wie bereits gesagt, möglichst wenig Lagerraum in Anspruch nehmen. Es ist vorteilhaft, wenn die Produkte eine möglichst breite Palette abdecken. Für uns muss die Produkthandhabung möglichst einfach sein: wenig Verwechslungsgefahr, wenig Produktkomponenten, die man beachten oder mitliefern muss. Es soll an sich möglichst komplett und möglichst kompakt sein.

Das heißt „Komplettlösungen" sind vorteilhaft für Sie?

Florian Miehle: Ja. Komplettlösungen, die im Prinzip die ganze Treppe umfassen, damit ich nicht 20 Positionen auf einer Bestellung habe – ich übertreibe etwas – machen es uns einfacher. Wir sind grundsätzlich daran interessiert, komplette Schallschutztreppen auszuliefern. Sie werden von uns fix und fertig an die Baustelle geliefert, können dann dort ausgeladen und direkt eingebaut werden.
Nicht jeder Bauunternehmer erkennt den Vorteil auf Anhieb. Das ist ja auch verständlich, ihm springen zunächst die Kosten ins Auge. Und so eine komplette Schallschutztreppe kostet schon etwas. Um die Kosten zu reduzieren, versucht man sich deshalb oft, mit anderen Methoden zu behelfen. Da wird die Fuge zum Beispiel mit Schaum zugesprüht, da kostet die Dose 8 €. Da kann man im ersten Moment schon einiges sparen. Aber das ist keine sicher funktionierende Lösung. Viele biegen zum Beispiel auch den Bewehrungskorb selbst, das kostet sie vermeintlich wenig. Aber dann haben sie eben auch keinen Nachweis dafür. Wenn die Körbe selbst gebogen werden, dann müssen auch eigene Prüfungen durchgeführt werden, das kostet dann einen Haufen Geld und Zeit muss auch investiert werden. Also der Preis für die Produkte hat da schon seine Rechtfertigung. Und der Trend geht auch ganz klar dorthin, dass von den Prüfingenieuren viel mehr geprüft wird. Und für die Prüfer ist es viel einfacher ein komplettes System bei einem großen Bauvorhaben zu prüfen. Er muss nur einmal prüfen, denn er sieht, dass das ein geprüftes System mit einer Zulassung ist. Die Kosten relativieren sich da schnell, man muss längerfristig denken. Und in einem Schadensfall schnellen die Kosten um ein Vielfaches in die Höhe – da hat man hinterher nichts gespart.

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Vielen Dank Herr Miehle für das tolle Gespräch.


Das Interview führte Rosa Demirlikaya