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Interview Jürgen Klotz

Oberbauleiter Jürgen Klotz von der Bauunternehmung Gottlob Rommel erklärt, wie wichtig Trittschalldämmung ist und welche Herausforderungen sich daraus für Bauunternehmen ergeben

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„Schallschutz" oder in unserem Fall „Trittschallschutz" ist ein wichtiges Thema und die Anforderungen daran steigen. Bekommen Sie den erhöhten Bedarf nach „mehr Ruhe" auch zu spüren?

JÜRGEN KLOTZ: Ja, natürlich. Die Anforderungen an den Schallschutz im Allgemeinen werden generell höher und haben in den letzten Jahren merkbar zu genommen. Es fällt auch auf, dass Bauherren besser im Thema sind und sich gerade über das Internet im Vorfeld gut informieren. Speziell bei Eigentumswohnungen, aber auch bei Mietwohnungen spielt Schallschutz eine große Rolle. Deshalb legen wir auch sehr großen Wert auf dieses wichtige Kriterium. Man darf dabei auch nicht außer Acht lassen, dass vernachlässigte Schallschutzmaßnahmen zu Problemen führen, die im Nachgang nur sehr schwer zu beheben sind.

Wo genau sehen Sie die Herausforderungen für Sie als Bauunternehmen?

JÜRGEN KLOTZ: Für uns als Rohbauer gehören die Treppenhäuser zu einem kritischen Bereich. Neben den sicher funktionierenden Trittschalldämmelementen ist für uns außerdem die Qualität unserer Wände wichtig. Das Material und die Produkte müssen den Anforderungen entsprechen, die in dem jeweiligen Einsatzbereich gefordert sind.

Würden Sie sagen, dass der Trittschallschutz mittlerweile ein Verkaufsargument bzw. ein ausschlaggebendes Argument bei Vermietung ist? Wie stehen Ihre Auftraggeber zu diesem Thema?

JÜRGEN KLOTZ: Ich würde eher sagen, guter Trittschallschutz ist heute Grundvoraussetzung, sowohl bei Eigentums- als auch bei Mietwohnungen. Es ist weniger ein Verkaufsargument, viel mehr heutiger Standard. Mieter und Käufer geben eine Menge Geld für Wohnungen aus und möchten auch eine entsprechend gute Qualität dafür bekommen. Gute Qualität, guter Trittschall und Wärmeschutz, gute Energiebilanz des Gebäudes – das sind wichtige Punkte, auf die wir sehr viel Wert legen. Der Stand der Technik ist allgemein bekannt und der erhöhte Schallschutz ist ganz klar Stand der Technik und den müssen wir auch bringen. Sowohl unsere Auftraggeber als auch die späteren Bewohner sind sehr sensibel was dieses Thema betrifft. Aber wir haben Gott sein Dank wenig Probleme in dieser Hinsicht – und so soll es auch bleiben.

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Sie sagen erhöhter Schallschutz gehört heute zum Stand der Technik. Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Sie in Bezug auf den Trittschallschutz?

JÜRGEN KLOTZ: Auf der Baustelle gilt es die geplanten Details, wie Auflagerungen oder Wandtrennungen speziell im Treppenhaus einfach, konsequent und sicher umzusetzen. Und genau hier liegt die Herausforderung. Die Produkte für die entsprechenden Leistungen sind ja grundsätzlich vorhanden, aber sie in der Praxis eben auch so anzuwenden oder einzubauen, dass sie am Ende auch sicher funktionieren, ist nicht immer ganz einfach. Als Polier kann man nicht bei jedem Treppenlauf daneben stehen und nach dem Rechten sehen.

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Der Einbau spielt eine sehr große Rolle für Sie. Worauf legen Sie hier besonderen Wert?

JÜRGEN KLOTZ: Je einfacher der Einbau von statten geht, desto besser. Er muss logisch, klar und einfach zu erklären sein. Die Leute auf der Baustelle müssen wissen, was und wie sie etwas tun sollen. Von daher ist dieser Aspekt natürlich sehr wichtig für uns. Und das ist nicht nur beim Thema Trittschallschutz so, das betrifft natürlich auch andere Bereiche. Wenn man ständig andere Produkte verwendet, dann tun sich die Leute verständlicherweise schwer. Wenn sie die gleichen Produkte mehrmals einbauen und nicht jedes Mal wieder aufs Neue ein anderes Produkt verwenden müssen, dann funktioniert das umso besser.

Wie wichtig ist es Ihnen als Oberbauleiter oder für Ihre Poliere auf der Baustelle, dass die Schalldämmmaßnahmen nach dem Einbau kontrolliert werden können?

JÜRGEN KLOTZ: Sehr wichtig. Zum einen müssen die geleisteten Maßnahmen einfach zu kontrollieren sein, zum anderen müssen sie auch geplant sein. Die Jungs auf der Baustelle müssen in der Handhabung mit den Produkten und im Prozessablauf Routine haben, das vermeidet Fehler. Das ist für uns enorm wichtig. Deshalb versuchen wir nicht mit jedem Kunden oder mit jedem Architekten wieder ein anderes Produkt einzubauen. Wir möchten unsere wichtigsten Prozesse standardisiert haben und möglichst oft die gleichen Produkte verwenden. Durch die standardisierten Prozesse, bleiben die Abläufe gleich und werden von unseren Mitarbeitern verinnerlicht. So können wir unsere Qualitätsansprüche erreichen.

Auf dieser Baustelle hier in Stuttgart habe ich schon die eine oder andere Schöck Tronsole gesehen. Sie arbeiten also mit unseren Trittschalldämmelementen. Haben Sie Vorteile für sich entdeckt?

JÜRGEN KLOTZ: Also ich kann nur sagen, wir haben die Produkte von Schöck im Bereich der Treppen als Standard bei uns definiert. Weil hier der zielsichere Einbau und die gute Funktionsfähigkeit gewährleistet ist. Und wir wissen, dass wir mit diesen Produkten die Schallproblematik am ehesten verhindern können. Aber es versteht sich von selbst, dass die Schöck Produkte dennoch im Wettbewerb zu anderen Produkten stehen und wenn wir andere Produkte finden beziehungsweise angeboten bekommen, dann testen wir diese selbstverständlich auch. Wir stehen auch im Wettbewerb. Wohnungen, die wie hier in Stuttgart gebaut werden, werden ja auch bei anderen Bauunternehmern angefragt. Und letztendlich müssen auch wir schauen, dass wir das beste Angebot abliefern.

Halten Sie es für hilfreich, wenn Hersteller Schulungen für Verarbeiter und Poliere anbieten?

JÜRGEN KLOTZ: Das ist auf alle Fälle sinnvoll. Es bedarf immer wieder Schulungen. Es gibt immer wieder Anpassungen in den Anwendungen und es ist wichtig, dass wir auf dem aktuellen Stand sind. Am besten sind natürlich Praxisschulungen vor Ort. Wir sind sehr interessiert, dass die Produkthersteller oder auch Schalungshersteller zu gewissen Themen zu uns auf die Baustelle kommen und die Mitarbeiter vor Ort schulen. Das bleibt am besten hängen und ist definitiv besser, als eine theoretische Schulung in einem Konferenzraum.

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Kennen Sie schon unsere Einbaumeister? Sie kommen direkt auf die Baustelle, beraten, führen Schulungen durch oder helfen bei einem akuten Problem.

JÜRGEN KLOTZ: Ja, es waren von Ihnen schon Leute hier auf der Baustelle zur Schulung da. Es ist eine sinnvolle Geschichte, wenn man erfahrene Mitarbeiter in dem Bereich hat, die sich mit den Produkten bestens auskennen. Manchmal können Missverständnisse entstehen oder etwas wird nicht genau beachtet, das kommt im Alltag schon vor. Gerade zu Beginn eines Projekts ist es deshalb hilfreich wenn die Leute auf die Baustelle kommen und zum Beispiel beim Einbau der ersten Treppe dabei sind – dadurch können grundlegende Fehler vermieden werden. Es können auch alle Gewerke dazu kommen, die am Einbau beteiligt sind. Es ist für alle interessant. Meiner Meinung nach ist das eine sinnvolle Einrichtung.

Wie Sie uns berichtetet haben, kennen Sie unsere Produkte ja bereits. Wir haben unser Trittschalldämmelement – die Schöck Tronsole – komplett überarbeitet. Haben Sie auch schon mit dem neuen Programm Erfahrungen gemacht?

JÜRGEN KLOTZ: Ja, das haben wir. Ein toller Punkt ist das Kleben. Die Fugenplatte und die Trittschalldämmung zwischen dem Treppenlauf und der Bodenplatte kleben sehr gut, auch wenn man mal irgendwo hängen bleibt, lösen sie sich nicht ab. Denn wenn es nicht richtig befestigt wird oder der Kleber nicht richtig hält, dann ist es früher schon passiert, dass sie unten wieder raus gerutscht sind. Dann musste wieder nachgeschnitten und nachbearbeitet werden. Das neue System von Schöck bringt da schon erhebliche Vorteile. Oft gibt es auch Bedenken bezüglich der Toleranzen und dann wird es meistens ein bisschen zu groß gemacht. Ich teile diese Sorge nicht, mit der geklebten Variante funktioniert das einwandfrei, denn da kann ja nichts verrutschen. Die Trennung von der Sohlplatte zum ersten Podest (Tronsole Typ B) hat den Vorteil, dass hier niemand die Entkopplung hin und her schieben muss, wenn man mit dem Kran reinfährt. Das ist ja auch eine gefährliche Geschichte und da bringt die neue Variante wirklich einen erheblichen Vorteil. Das Rundumpaket ist für uns sehr nützlich, denn die Treppe kann direkt auf der Baustelle komplett zur Schallschutztreppe aufgerüstet werden.

Nicht nur, aber besonders auf der Baustelle gilt: Zeit ist Geld. Gibt es Eigenschaften eines Produkts, die für Sie wichtiger sind oder die den Preis relativieren?

JÜRGEN KLOTZ: Das ist wirklich eine schwere Frage. In dem Trittschallschutz-Bereich gibt es natürlich alle möglichen Varianten die auf den erstem Blick kostengünstiger erscheinen: Es gibt ausgeschäumte Fugen, Mineralfaserplatten, die oben noch irgendwie mit einem Fugenprofil ausgestopft werden, mit Silikon oder mit Schaum. Aber damit sind meiner Meinung nach keine Erfolge gewährleistet. Mittel- und langfristig denke ich, lohnt sich auf jeden Fall die Investition in ein Produkt, wie die Tronsole. Wenn man bedenkt, wie hoch der zu zahlende Betrag in einem möglichen Schadensfall ausfällt, naja, dafür könnte man sich natürlich eine Menge Tronsolen kaufen und einbauen lassen. Ich sehe oft, auch auf anderen Baustellen, wie sich dort beholfen wird. Wie die Jungs dann versuchen, hinterher den ganzen Dreck und Gips, der in die Fuge gefallen ist, wieder heraus zu bekommen und zu reinigen. Das ist ein erheblicher Zeitaufwand und richtig sauber bekommt man die Fugen ja auch nicht mehr. Teilweise wird gar nicht schalltechnisch entkoppelt. Das ist natürlich fatal. Meiner Meinung nach bringt ein Schadensfall so viele Probleme und ist mit Rufverlust, Ärger und Unzufriedenheit seitens des Kunden verbunden – das wollen wir ganz klar vermeiden und deswegen setzen wir da lieber auf die vermeintlich teureren Produkte oder Lösungen, die dann aber unseres Erachtens nach zielsicher funktionieren.

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Herr Klotz, vielen Dank für Ihre Zeit und das nette Gespräch.

Das Interview führte
Rosa Demirlikaya